Hakle plant Toilettenpapier aus Kaffeesatz

blauer Hintergrund. davor sieben rollen Toilettenpapier in weiß die durcheinander liegen
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blauer Hintergrund. davor sieben rollen Toilettenpapier in weiß die durcheinander liegen

Hakle musste aufgrund der hohen Energiepreise Insolvenz anmelden. Die Marke wurde verkauft. Unternehmer Volker Jung hat sein Werk umbenannt und stellt sein Geschäft nun neu auf. Seine Idee: Toilettenpapier aus Kaffeesatz zu produzieren.

Die Insolvenz von Hakle

Es waren bittere und traurige Stunden, als Volker Jung realisierte, dass er sich den Betrieb seines Unternehmens aufgrund der hohen Energiekosten nicht mehr leisten konnte. Die vergangenen 10 Monate waren sehr turbulent für ihn gewesen. Mitte September musste er für sein Unternehmen Hakle Konkurs anmelden. „Die Energiekosten haben uns in die Zahlungsunfähigkeit getrieben“, sagte er in einem Interview.

Die Produktion von Papier ist sehr energieintensiv. Die Kosten für Gas und Strom waren im Jahr 2023 sechsmal so hoch wie noch im Jahr 2019.

Hakle gehört zu den beliebtesten Marken

Bis dahin hat sich das Unternehmen gut entwickelt. Die folgende Statistik zeigt, dass Hakle mit 19 % Beliebtheit an zweiter Stelle im Ranking der beliebtesten Marken für Hygiene- und Haushaltspapiere in Österreich im Jahr 2023 liegt. Obwohl die Marke sehr bekannt ist, machte das Unternehmen im Jahr 2022 nur einen Umsatz von 70 Millionen Euro.

Statistik: Rankin der beliebtesten Marken für Hygiene- und Haushaltspapiere in Österreich (nach Kauf in letzter Zeit) im Jahr 2023

Aufträge noch bis Ende 2024

Die Insolvenz ist überstanden. Hakle wurde Mitte Juli 2023 in die Jung Papier GmbH umfirmiert. Im März verkaufte Jung die Marke Hakle und die damit verbundenen Namensrechte an den italienischen Konkurrenten Sofidel.

Sofidel ist nach Essity, zu dem die Marken „Tempo“ und „Zewa“ gehören, der zweitgrößte Toilettenpapierhersteller Europas. Zu Sofidel gehören die Marken „Regina“ und „Softis“. Die Jung Papier GmbH bleibt ein Familienunternehmen, das 160 Mitarbeiter beschäftigt und die Produktion in der Papierfabrik im Düsseldorfer Süden weiterführen kann. Bis Ende 2024 wird Jung für Sofidel noch Toilettenpapier der Marke Hakle produzieren. Danach wird Jung das Geschäft neu strukturieren.

Handel unterstützt Jung

Jung hat das Unternehmen im Jahr 2019 übernommen und einige Prozesse im Unternehmen optimiert. Er hat viel umgesetzt, dennoch war es ihm nicht gelungen, die Preise bei den Handelsketten entsprechend zu erhöhen.

Umso erfreulicher ist es jetzt für ihn, dass der Handel ihn nach der Insolvenz nicht fallen lässt und im Winter eine ausreichende Preiserhöhung gewährt. Wäre dies nicht passiert, hätte das Unternehmen die Insolvenz auch nicht überlebt. Derzeit zahlen Verbraucher 43 % mehr für Toilettenpapier als noch im Jahr 2020.

Rote Schale mit dekorativem Rand in der sich Kaffeesatz befindet und eine Hand die Kaffeesatz in der Hand hat. Dahinter ein grünes Palmenblatt

Die neue Idee von Unternehmer Jung

Der umtriebige Unternehmer hat die Idee, in seinem Werk Eigenmarken für Handelsketten in Deutschland herzustellen. Darunter finden sich Namen wie „Gut&Günstig“, „Ja“, „Floralys“ oder „Kokett“. Doch dies ist kein gutes Geschäft, da die Margen sehr niedrig sind. Jung glaubt, dass dieses Geschäft kein Selbstläufer wird.

Jung dachte, er könne das Unternehmen an interessierte Unternehmer gut verkaufen, doch aus den 60 anfänglichen Interessenten blieb am Ende nur einer übrig, der letztendlich auch kein Interesse mehr hatte. Jung musste neu überlegen und kreierte die Idee, nur die Marke Hakle zu verkaufen, damit die Fabrik bei ihm bleibt und damit auch die Möglichkeit für die Beschäftigten, ihre Jobs zu behalten. 

Marke zu verkaufen war hart für Jung

Es traf den Unternehmer damals emotional sehr hart, „seine“ Marke zu verkaufen. Doch es war der richtige Weg, der ihm auch die Möglichkeit ebnete, wieder neu durchzustarten. Mit seinem neuen Geschäft möchte er nicht in die Fußstapfen von Hakle treten. „Es ist unrealistisch, eine neue Marke aufzubauen, die den Wert von Hakle hat“, erzählte er kurz nach der Insolvenz. Deshalb wird er das Geschäft mit Eigenmarken im „Haifischecken“ wagen, wie er es selbst nennt. Damit dies gelingt, wird Jung die Fabrik durch zweistellige Millioneninvestitionen in die Produktion von Handelsmarken modernisieren.

Innovation geplant

Jung will sich von seinen Mitbewerbern am Markt auch durch innovatives Handeln unterscheiden. Er plant, Toilettenpapier aus industriellem Kaffeesatz herzustellen. Davon gibt es jährlich rund 80.000 Tonnen in Deutschland. Damit müssten zukünftig weniger Bäume gefällt werden. Hakle brachte bereits im Jahr 2021 als erster Hersteller Küchenpapier auf den Markt, dem Glasfasern beigemischt waren.

Manager Jung ist überzeugt, dass er mit dem Toilettenpapier aus Kaffeesatz ein Papier produzieren kann, das den nachhaltigen Gedanken vieler entspricht. Er geht davon aus, dass sich die Geschäfte gut entwickeln werden. Außerdem sind die Preise für Gas und Papier bereits etwas gesunken. Weiters konnte er seine Fabrik von Gas auf Öl umstellen, was dabei hilft, die Kosten weiter zu drücken.

Fazit: Die letzten Monate waren für Unternehmer Jung durch die Insolvenz von Hakle sicher turbulent. Der Manager hat aber mit einer durchdachten Strategie bewiesen, wie sein Unternehmen unter einem anderen Namen weiterlaufen kann. Dabei setzt er auf Innovation und das Überleben im „Haifischbecken“. Eine Kombination, die ihm wahrscheinlich guten marktwirtschaftlichen Erfolg bringen wird.

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